|
Archiv
1992:
1992, was für ein schönes Jahr.
Es war mein vorletztes Jahr auf der Realschule in Waldkraiburg,
auf der ich sehr viel wichtiges gelernt habe. Was, das
weiß ich leider nicht mehr. Aber erinnern kann ich
mich noch an zwei Gedichte, die ich von berühmten
Dichtern geklaut und etwas den damaligen Umständen
angepasst habe.
Das erste ist meinem damaligen Klassenleiter,
Geschichts-, Wirtschafts- und Rechnungswesenlehrer Rainer
Wimmer aus Haag gewidmet:
Der Erlkönig
frei nach J. W. v. Goethe
Wer rast nach Haus so spät am Tag?
Das ist der Wimmer, der will nach Haag.
Sein Magen knurrt gar sonderbar.
Zuhaus' die Frau macht's Essen gar.
Vom Unterricht noch ganz entsetzt
er alsdann schnell nach Hause hetzt,
und nenben ihm da hockt sein Kind,
dem eimerweise Schweiß entrinnt.
Der Vater der fährt fürchterlich,
dem Kind darauf ein Schrei entwich:
"Ein Penner stand am Rand ganz steif!"
"Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif."
"Mein Vater, mein Vater, und hörst
du da vorn
des Sattelschleppers Nebelhorn?"
Der Vater tröstet das ächzende Kind:
"Mein Sohn dies war ein Magenwind!"
Es wird halb neun, die Nacht bricht rein.
Das Auto fährt in Haag und ein,
erreicht das Haus mit Müh und Not ...
wenn der Wimmer das ließt, dann bin
ich tot.
Etwas später veranlasste mich das
im Deutschunterricht behandelte Gedicht "Erinnerung
aus Krähwinkels Schreckenstagen" (Das heißt
doch so, oder?) von Heinrich Heine zu folgendem, als Protestnote
geplanten Stück.
Erinnerung
aus Realschules Schreckenstagen
frei nach H. Heine
Der Rat der Schüler voller Macht
hat heute Morgen sich gedacht:
Dies Institut in seiner Not
verlangt nach folgendem Gebot.
Seit kurzer Zeit in diesem Hause
geschehen - nicht nur in der Pause -
die Unruhen in großer Menge,
die man beseitigt nur mit Strenge.
Was so durch Lehrer meist verschuldet,
wird von uns nun nicht mehr geduldet,
weshalb wir geben zum Bestrafen
die aufgeschrieb'nen Paragraphen:
Zum ersten soll ein Lehrer nun
was Schüler im befehlen tun
ausführen, ohne viel zu fragen
und soll sich hüten noch zu klagen.
Sodann, wenn Schülern Hunger droht
soll'n Lehrer teil'n ihr Pausenbrot.
Auch vom Getränke soll'n sie geben,
denn auch die Schüler wollen leben.
Die Lehrerinnen soll'n sich schmücken,
um damit Schüler zu entzücken.
Auch soll'n die Lehrer nicht mehr strafen
die Schüler, welche öfters schlafen.
Zum Schluße sei noch streng verboten
den Schüler strafend zu benoten.
Die Eins sei nun allein Zensur.
Sie soll verteilet werden nur!
Wer dem Gebot sich wiedersetzt,
es bricht, umgeht oder verletzt,
der wird gehenkt am selben Tage,
im hilfet weder Bitt' noch Klage.
Dies hat in seiner Gnad' bestimmt,
dass jeder davon Kenntnis nimmt,
und niemand dran zu zweifeln hat,
der Schüler ehrenwerter Rat.
|