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Editorial: In brennender Sorge *

Wir blicken in eine ungewisse Zukunft. Seit das Echnatron-Magazin 1967, als eines der ersten überhaupt, "ans Netz" ging, stellen wir ein wachsendes Desinteresse unserer Leser an den gebotenen Inhalten fest. Weniger als 2% der Personen, die täglich unsere Webseite besuchen, nutzen das Angebot an informativen und unterhaltsamen Berichten, Reportagen und Interviews. Zwar wird unser Magazin von den Lesern übereinstimmend für das gelungene Bild- und Grafikmaterial gelobt. Die teilweise hochaktuellen, brisanten und tiefgründigen Texte nimmt jedoch kaum jemand zur Kenntnis.

Das ist angesichts der großen Anstrengungen, die unsere Redaktion zur Bildung und Unterhaltung ihrer Besucher unternimmt, mehr als bedauerlich. Aktuellen Ereignissen Rechnung tragend, haben wir im vergangenen Jahr unseren Lagerbestand an Buchstaben - vorallem G, W und SCH - kräftig aufgestockt, um Sie, liebe Leser, mit Berichten über den amtierenden US-Präsidenten George W. Bush versorgen zu können. Allein die Mühe scheint vergebens, die Kartons mit den Alphabeten stehen ungeöffnet im Redaktionslager. Denn viele Seiten - besonders mit längeren Berichten - werden uns ungelesen von den Browsern unserer User zurück geschickt. Mangelt es an der Zeit zum Lesen umfangreicherer Texte oder an der Bereitschaft, sich für Neues zu öffnen?

Unser Magazin sieht sich nun gezwungen, journalistische Konsequenzen aus dem veränderten Leserverhalten zu ziehen. In Zukunft werden Beiträge nicht mehr von qualifiziertem Fachpersonal verfaßt, sondern von mittelmäßigen Grundschülern, sowie von Delphinen und anderen intelligenten Haustieren. Versehen mit schmückendem Beiwerk wie Photografien attraktiver Journalistinnen, erfundenen Namen und Berufsbezeichnungen wird niemand den Unterschied bemerken.

Viel Spaß beim Lesen kann ich Ihnen angesichts solch drastischer Maßnahmen leider nicht wünschen.

Herzlichst Ihre

Marianne Klingler
Chefredakteurin


*: Für die Verwendung des Titels "In brennender Sorge", welcher der 1937 veröffentlichten Enzyklika Papst Pius' XI. gegen den "Götzenkult von Rasse, Volk und Staat" im Dritten Reich entnommen wurde, ist die Autorin allein verantwortlich. Wir bedauern, wenn dadurch der falsche Eindruck entsteht, wir verspotteten oder verharmlosten die Praktiken der Katholischen Kirche. (Anm. der Redaktion)