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Gedichte I

 

Das Internet macht Urlaub

Als das Internet einen Tag Urlaub nahm
- es reiste zu guten Bekannten nach Trier -
erschienen auf jedem Bildschirm die Zeilen:
"Ich hab heute frei! Verzeihen Sie mir."

Und während das Internet samt seinen Freunden
im Park sich erbaute an Pflanzen und Tieren,
da gingen die pflichtvergessenen Daten
mit den Links und den Internetseiten spazieren.

Drum sprach der Marketingleiter zum Lehrling:
"So lassen auch wir unsre Arbeit heut sausen."
und selbst die internetsüchtigen Kinder
verließen den Bildschirm und gingen nach draußen.

Landauf, landab war jedermann fröhlich
und fühlte sich aller Verpflichtung entbunden.
Doch das tägliche Leben kam bald zum erliegen
und Experten berieten sich mehrere Stunden.

Dank entschlossenem Drängen der Staatengemeinschaft
eilte das Internet heim zu den Seinen,
sah reuig das angerichtete Chaos
und musste zwei Millisekunden lang weinen.

Die treuen Suchmaschinen alleine
haben das Wirrwarr sogleich repariert
und als wehrhafte Hüter der logischen Ordnung
die Daten zum Wohle der Menschheit sortiert.


Alles

Alles wird alt,
alles zerfallt.
Nicht Lieb' noch Gewalt
belohnet Erhalt.

 

Der Regenschirm

Für den Fall, dass in der Nacht
Regen in mein Zimmer fällt,
hab' ich einen Regenschirm
an mein Bettgestell gestellt.

Da jedoch bis heute hin
dieser Fall nicht stattfand,
ist noch wie am ersten Tag
verschlossen sein Verschlußband.

 


Unikorn

Das Einhorn nennt - dank seinem einem Horn -
der in Latein Beflissene stolz Unikorn.
Jedoch aus Scham, dass man mit Korn (sprich Schnaps) es hat verglichen
ist jenes Einhorn leider schon vor langer Zeit verblichen.

 

Bombenlast*

Leise zieht ein kleiner Bomber
über Bagdad seine Bahn.
Der Pilot drückt ein paar Knöpfchen.
Seine Arbeit ist getan.

In der Abendsonne schweben
Bomben auf ein altes Haus.
Menschen rennen um ihr Leben -
der Pilot fliegt müd' nach haus.

Als die Nacht anbricht, entdeckt er
fern des Flugzeugträgers Mast,
winkt den Freunden als er landet
und vom Herzen fällt die Last.

* getragen zu singen. Melodie: z.B. "Wer das Scheiden hat erfunden."