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Gedichte II


Am Ufer

Leise fließt der Fluß der Zeiten
über Deine beiden Seiten.
Wasser rinnt durch Deine Hände
und nimmt kein Ende.

Die Strömung rauscht Dir über die Brust
und bringt und nimmt beides - Trauer und Lust.
So wie die Wellen Dich ziehen und heben
treibst Du im Leben.

Das kühle Gewässer an Deinen Beinen
berichtet von Dingen, die fremd erscheinen.
Befolge den Rat seiner fernen Stimmen
und lerne schwimmen.

 


Kein Wunder

"Es gibt" - so sprach ein Mann, der sich für äußerst klug hielt
zu Gott - "Es gibt Dich nicht. Du bist nur alter Brauch."
Der Herr jedoch - enttäuscht, dass er nicht wirklich war - sprach garnicht.
(Mich wunderts nicht. Wie sollt' er auch?)

 

Schöner Schein

Es schien die große weite Welt
so voll von Trug und Schlechtigkeit.
Es schien ein guter Gott erfüllt
mit Weisheit und Gerechtigkeit
im Himmel über mir zu sein.
Oh schöner, selig schöner Schein.

Es schien, als ob das Geld allein
mir jeden Traum erfüllen kann;
als ob dank ihm die Sorgen fliehn.
Drum zog es mich in seinen Bann.
Und es betrachtend dacht ich: "Fein,
du schöner, fälschungssichrer Schein."

Heut scheint vom blauen Himmel mir
die Sommersonne ins Gesicht.
Kein Gott, kein Geld erwärmten je
mein Herz so stark wie dieses Licht.
Das Leben strömt aus dir allein,
du schöner, einzig warmer Schein.